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Lexikon
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Man unterscheidet drei Gruppen von Druckerzeugnissen: Bücher = Werkdruck, Periodika = Zeitungs- und Zeitschriftendruck und alles übrige = Akzidenzen = Akzidenzdruck. Es gibt Druckereien, welche sich ausschließlich mit Akzidenzdruck befassen (z. B. Werbe- und Verpackungsdruck); man nannte sie früher Akzidenzdruckereien. In diesem Zusammenhang benutzte man auch Bezeichnungen wie Akzidenzsatz und Akzidenzsetzer, was heute nicht mehr üblich ist.
Bereits in Gutenbergs Offizin wurden Akzidenzen gedruckt, nämlich die Ablaßbriefe. A. waren auch die frühen Einblattdrucke und Bücheranzeigen. Die größte Sammlung von Akzidenzdrucken vom 15. Jh. bis 1939 ist die John Johnson Collection of Printed Ephemera an der Bodleian Library in Oxford.
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«Verfahren des Hochdrucks, bei dem überwiegend zähflüssige Druckfarbe von der Druckform auf den Bedruckstoff übertragen wird» (DIN 16514, S. 3). «Hochdruck: Druckverfahren, bei denen die druckenden Stellen der Druckform höher liegen als die nichtdruckenden Stellen» (DIN 16514, S. 2). Das B. ist nach dem Blockdruck das zweitälteste heute noch angewendete Druckverfahren. Es wurde zwischen 1440 und 1450 von Johannes Gutenberg aus Mainz erfunden und ist ein aus zahlreichen Elementen bestehendes, vollständiges und in sich geschlossenes System der Schrift- und Textherstellung sowie des Druckens.
Da der Blockdruck von Holzschnitten gleichfalls ein Hochdruckverfahren ist, konnte er wenig später (1471/ 1472) für den Illustrationsdruck in das B. integriert werden. Im Gegensatz dazu sind alle später erfundenen Drucktechniken reine Druckverfahren, die sich - bis zur Einführung des Fotosatzes in den 1960er Jahren - zur Schrift- und Textherstellung der betreffenden Elemente der Gutenbergischen Buchdruck-Technologie bedienen mußten. Bis zum gleichen Zeitpunkt konnte die Druckform aus zahlreichen Einzelteilen zusammengeschlossen werden, wie Hand- und Maschinensatz, Klischees, Galvanos, Holzschnitten, Stereos etc. Die seitenverkehrt gearbeitete Druckform wird in Druckmaschinen oder -pressen verschiedenster Druckprinzipien und Konstruktionen manuell oder selbsttätig auf ihrer Oberfläche eingefärbt und mit einem bestimmten Anpreßdruck gegen den Bedruckstoff gepreßt. Dabei kommt es häufig dazu, daß sich Elemente der Druckform - besonders lineare - geringfügig in den Bedruckstoff eindrücken, was als rückseitige Schattierung ein Erkennungsmerkmal des Buchdruckverfahrens ist. Ein anderes zeigt sich beim Betrachten durch die Lupe: Die Druckfarbe wird immer ein wenig von der Mitte der Druckelemente gegen die Ränder hin gequetscht.
(Die beim Offsetdruck indirekt über einen Gummizylinder übertragene Farbe liegt demgegenüber gleichmäßig schwarz auf dem Bedruckstoff.) Das Buchdruckverfahren weist jedoch so zahlreiche Vorzüge auf, daß es über 500 Jahre lang, besonders für den Werk- und Zeitungsdruck sowie für die meisten Akzidenzen bevorzugt wurde: Herstellung und Veränderung der Druckform sind einfach, Text- und Strichzeichnungen drucken sauber und konturenscharf aus, Farbabbildungen sind farbstark und schließlich ist das ganze Verfahren, selbst für Klein- und Kleinstauflagen, wirtschaftlich.
Die Gründe findet man in dem geschlossenen System der Buchdruck-Technologie. Sie läßt sich spätestens nach dem Ausdruck der 42zeiligen Bibel aus den bis dahin hergestellten Druckerzeugnissen erschließen. Ihre einzelnen Elemente sind verschiedene Verfahren, Werkzeuge, Geräte, Materialien und Techniken. Zur Schriftherstellung (1) bedurfte es zunächst des Schriftentwurfes. Dann folgten alle Tätigkeiten der später selbständigen Schriftgießereien: das Stempelschneiden, die normierte Matrizenherstellung und das Gießen. Dazu war die Type als solche, also die Textzerlegung, erdacht, das Schriftmetall entwickelt und das Gießinstrument konstruiert worden. Zur Setzerei (2) benötigte man praktische Kästen, verschiedene Geräte wie Winkelhaken, Schiff, Schließrahmen, Schließzeug sowie Blindmaterial. Ferner war ein festgelegtes Verfahren des Setzvorgangs zu entwickeln. Zum Drucken (3) war eine Presse gebaut worden. Wenn es auch Vorbilder bei Winzern, Buchbindern, Papier- und Tuchmachern gab, so dürften doch noch viele Probleme zu lösen gewesen sein, bis so ausgezeichnete Drucke wie die 42zeilige Bibel und das Psalterium Moguntinum entstehen konnten. Dasselbe trifft auf die Entwicklung der Druckfarbe zu. Zum Druckverfahren (4) schließlich war als Voraussetzung für einen kontinuierlichen Arbeitsverlauf in der Offizin eine ganze Kette von Abläufen zu erdenken und zu erproben: der Druckvorgang selbst mit einer Person zum Einlegen und Schließen und einer zweiten zum Einfärben; die Bereitstellung des für den jeweiligen Tag benötigten Satzes sowie der gefeuchteten in drei von vier Fällen ja bereits bedruckten und somit auch signierten Bogen; und schließlich das Trocknen und das Ordnen der fertigen Lagen. All dies wurde rasch zum gewohnten Alltag jeder Druckerei. Gutenberg und seine Mitarbeiter haben es so perfekt erdacht, erprobt und weitergegeben, daß sich in den folgenden Jahrhunderten kaum etwas daran geändert hat. Aus der Geschichte der Buchdruckpressen und -maschinen ist bekannt, daß erst das 19 Jh. Neues für das Buchdruckverfahren brachte. Nun gab es Schriftgießereien, Druckfarbenhersteller und Druckmaschinenwerkstätten. Das An- und Auslegen des Papiers, das Einfärben der Form und das Drucken erfolgten automatisch. Zweifarbmaschinen erledigten in einem Durchlauf Schön- und Widerdruck oder (einseitig) den früher so aufwendigen Druck in Schwarz und Rot. Erst die Erfindungen von Strichätzung und Autotypie sowie des Vierfarbendrucks stellten an das Verfahren und somit auch an den Drucker neue Anforderungen. Zur gleichen Zeit kam mit den Setzmaschinen auch auf die Setzer eine große Veränderung zu. Doch auch diese, wie 70 Jahre zuvor bei der Einführung der Druckmaschinen, blieb ohne negative soziale Folgen, weil beide Male ein stark steigender Absatz von Druckerzeugnissen Arbeitslosigkeit verhinderte. Im 20. Jh. kam es, bis zu dem unerwartet schnellen Ende des Buchdrucks als des Hauptdruckverfahrens in den 1970er Jahren, zu keinen weiteren nennenswerten Veränderungen.
Als Gutenberg zu drucken begann, entstand neben dem Werkdruck sogleich ein zweites Betätigungsfeld: der Druck für Akzidenzen. Ablaßbriefe, Kalender und ähnliche Drucksachen werden bei den Druckern seinerzeit ebenso beliebt gewesen sein wie Flugschriften während der Reformation, die amtlichen und privaten Bekanntmachungen zu jeder Zeit, die Formulare und Geschäftsdrucksachen seit dem 19 Jh. und der Werbe- und Verpackungsdruck der Gegenwart. Denn derartige Aufträge füllen die Lücken in der Buchproduktion, sind schnell erledigt und werden sofort bezahlt. Die größte Slg. von Akzidenzdrucken aus der Zeit zwischen 1450 und 1939 bewahrt die John Johnson Collection an der Bodleian Library in Oxford auf. Landkarten- und Musiknotendrucke erschienen erstmals in den 1470er Jahren. Sie blieben für das Buchdruckverfahren bis zur Erfindung der Klischees ein problematisches Gebiet. Block- und Kupferdruck waren dafür geeigneter. Dennoch sind durch die Jahrhunderte zahlreiche Versuche unternommen worden, Landkarten und Noten mit typographischem Material auf Buchdruckpressen zu drucken. Einigermaßen erfolgreich sind nur die Techniken von J.G.I. Breitkopf und Wilhelm Haas (Vater und Sohn) am Ende des 18. Jh.s verlaufen. Die Erfindung von Lithographie und Steindruck einerseits und des sogenannten Notenstichs andererseits machten den genannten Versuchen ein Ende. Ein neues Betätigungsfeld erschloß sich den Buchdruckern vom Anfang des 17. Jh.s an, zuerst durch die nun regelmäßig erscheinenden Ztg. und ein halbes Jahrhundert später durch Zss. und Intelligenzblätter. Als Werbeträger und zugleich für amtliche Anzeigen kamen Intelligenzblätter an so vielen Orten heraus, daß dies um 1700 zur Gründung einer großen Zahl neuer Druckereien geführt hat. Aus der Geschichte der Buchdruckpressen und -maschinen wissen wir, daß es die Verleger der großen Ztg. waren, welche dem Druckgewerbe seit Anfang des 19. Jh.s. entscheidende Anstöße gaben. Diese führten unter anderem zur endgültigen Konstruktion einer Papiermaschine, zur Entwicklung von Druckmaschinen nach allen drei Druckprinzipien, zur Erfindung zahlreicher Setzmaschinen und zur Perfektionierung der Stereotypie und der Galvanographie. Auch im 20. Jh. waren Zeitungsverlage Anreger zu neuen Entwicklungen, wie etwa dem Vierfarbendruck für Zss. und später dem Offsetdruck und den elektronischen Verfahren in der Reproduktionstechnik. Ob das Buchdruckverfahren nach einem halben Jahrtausend am Ende seiner Möglichkeiten angelangt ist, wird sich in der Zukunft erweisen.
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Der Begriff E. impliziert den gesamten Arbeitsgang der Buchherstellung vom Ordnen und Zusammenfügen der geschriebenen oder gedruckten Lagen bzw. Bogen über Heften, Beschneiden, Ansetzen und Beziehen bis zur künstlerischen Verzierung der Buchdeckel. Der E. ist daher nicht nur die äußere Hülle, das «Kleid» des Buches, sondern ein ebenso wichtiger funktioneller Bestandteil der Buchgestaltung wie Type, Druck und Illustration, also ein ästhetisch-technischer Komplex, dessen Komponenten gleichermaßen Gewicht haben. Der Begriff des Buch-E.es umgreift die Tätigkeit und das fertige Ergebnis des Buchbinders zugleich.

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Buchumschlag ist die Bezeichnung sowohl für den lose um den Bucheinhand herumgelegten, abnehmbaren Schutzumschlag als auch den fest mit dem Buchblock verbundenen Broschurdeckel. In bezug auf die wesentlichen Funktionen (s. u.) des B.s gibt es keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen beiden Formen.
Historisch beginnt die Entwicklung des B.s bereits in der Frühdruckzeit in Deutschland, wo man die mit allereinfachsten Holzschnittverzierungen versehenen Schutzblätter als erste Vorläufer ansehen kann. Ursprünglich als Schutz der Lagen eines Buches bis zur Herstellung des Einbandes und als Vorlage für den Einband dienend, wurde das Schutzblatt zum Abbild des Einbandes auf der ihn schützenden Papierumhüllung. Unter bibliophilen Gesichtspunkten haben bereits die ursprünglichen Schutzblätter eine gewisse Bedeutung. Ein Ex. mit Originalschutzblatt wird oft höher eingeschätzt als das gebundene oder es wird verlangt, daß das Schutzblatt mit eingebunden ist (Couverture conservée).
Der Ursprung des heutigen modernen B. s liegt jedoch in Frankreich, wo man sehr früh seine werbende Funktion erkannte. Die Motive auf der schützenden Papierhülle waren nicht mehr nur Schmuck, sondern bezogen sich auf den Inhalt des Buches. In ungefalztem und unbeschnittenem Zustand konnten solche ill. B.e ausgezeichnet als Plakate verwendet werden. So wurden die ersten bekannten B.e von Jules Chéret aus dem Jahr 1886 im Werksverz. als Plakate geführt. Nach Deutschland kam diese Art des B.s vor allem durch den Verleger Albert Langen (um 1895). Mit Chéret und Steinlen, aber auch Künstlern wie Max Slevogt und Thomas Theodor Heine schuf er einen neuen Stil, der sich nachhaltig auswirkte. Bereits 1899 kommentierte die Zeitschrift für Bücherfreunde: «Die Auslagen der deutschen Buchhandlungen haben ihr Aussehen in verhältnismäßig kurzer Zeit vollständig verändert. Früher waren sie ernst und düster, jetzt sind sie heiter und farbenfeudig geworden; früher boten sie nur Lesestoff, jetzt gewähren sie den Eindruck einer kleinen Galerie. »
Seit diesen Anfängen haben sich immer wieder namhafte Künstler mit der Gestaltung von B. en beschäftigt. Otto Eckmann, Emil Rudolf Weiss, Henry van de Velde und Emil Preetorius gehören ebenso dazu wie Lovis Corinth, Max Liebermann, Ernst Barlach und Emil Nolde. Der B. wurde damit zum Spiegel künstlerischer Entwicklungen wie auch des Engagements von Künstlern bis hin zur Agitation. Hier ist neben Otto Dix und George Grosz vor allem John Heartfield zu nennen, dessen Fotomontagen für den Malik-Verlag von so beißender Ironie waren, daß sie nicht selten verboten wurden.
Obwohl ein typisches Beispiel angewandter Kunst, läßt die Umschlaggestaltung der freien Kunst Spielräume wie kaum ein anderer Bereich. Das gilt auch heute noch, da der B. längst ein wichtiger Bestandteil des Instrumentariums im Verlagsmarketing geworden ist. Die Rolle des B.s im Verlagsmarketing wird am Beispiel des Taschenbuches besonders deutlich, denn gerade das Taschenbuch ist auf massenwirksame Gestaltung angewiesen. Hier wird aber auch deutlich, wie vielfältig die Möglichkeiten der Gestaltung sind, wenn es darum geht, dem unverwechselbaren Erscheinungsbild eines Verlages genauso wie dem individuellen Charakterjedes Buches gerecht zu werden.
Trotz der allgemeinen Anerkennung der Bedeutung des B.s für das Verlagsmarketing hat man sich bisher sehr wenig auf theoretischer oder empirischer Basis mit dem B. auseinandergesetzt. Es gibt eine Studie aus neuerer Zeit, die versucht, dies auf breiter Basis aufzuarbeiten. Diese Studie (Kroehl 1984) kommt in bezug auf die Funktionen des B.s für verschiedene interessierte Gruppen (Verleger, Gestalter, Autoren, Buchhändler und Leser) zu überraschend übereinstimmenden Ergebnissen. Für sie alle steht die Orientierungsfunktion im Vordergrund: der B. soll etwas über den Inhalt aussagen. Dabei legen die Leser mehr als die übrigen Gruppen Wert darauf, daß die Reihe oder das Programm erkennbar wird, in die das Buch gehört. Etwas überraschend ist das Ausmaß, in dem die Leser akzeptieren, daß der B. Aufmerksamkeit wecken soll. Diese Funktion kommt für sie noch vor der ästhetischen, nämlich das Buch gut aussehen zu lassen. Überraschend ist auch der relativ niedrige Rang, den die Schutzfunktion des B.s einnimmt. Einen relativ geringen Einfluß auf die Bedeutung der Funktionen haben die unterschiedlichen Literatursparten. Hier ist eigentlich nur für eine Funktion ein signifikanter Unterschied festzustellen: je anspruchsvoller die Lit., um so wichtiger ist es, daß der B. kennzeichnend für den Verlag ist. Man will also wissen, welcher Verlag hinter einem Buch steht.
Verlagsrechtlich ist der B. Teil der Ausstattung des Buches. Seine Gestaltung ist daher ausschließlich Sache des Verlegers. Hinsichtlich der Titel und Verfassernamen steht diesem allerdings kein Änderungsrecht zu.
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| Druckermarke
(oder Drucksignet)
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Ähnlich wie Hausmarken, Handelszeichen oder Beschaumarken haben einige der ersten Drucker ihren Werken Druckerzeichen beigefügt, die als Urhebernachweis, Rechtssymbol und Qualitätskennzeichen eine Art Schutzfunktion ausüben sollten. Das erste Druckersignet verwendeten Johann Fust und Peter Schöffer d. Ä. in Mainz in der Biblia latina von 1462. Die beiden, an einem Ast hängenden Schilde (Abb. Bd. I, S. 66) wurden für andere Drucker ebenso Vorbild für ihre Signete wie besonders in Italien das Erdkreis-Motiv. Gegenüber den anderen, meist einfachen Handelsmarken unterschieden sich die D.n durch ihre bildhafte Gestaltung, die einen Bildungsanspruch des signetführenden Druckers beinhaltete und einen Bezug zu den von ihm gedruckten Büchern herstellen sollte. Die ersten D.n waren meist in Holz- oder Metallschnitt ausgeführt und wurden i.d.R. beim Druckvermerk am Schluß des Buches abgedruckt.
Etwa seit 1480 trat in Venedig, Paris und anderen Druckorten neben die D. auch ein Verlegersignet, das seinen Platz vorzugsweise auf dem in dieser Zeit aufkommenden Titelblatt fand und bald eine Vorrangstellung erlangte. Eine Unterscheidung von Drucker- und Verlegersigneten im 15./16. Jh. nach ihrem Erscheinungsbild ist kaum möglich.
Die D.n des 15. Jh.s wurden aus Familienwappen oder Hauszeichen gebildet, außerdem wurden städtische Wappen, Heilige oder christliche Symbole verwendet. Im 16. Jh. kamen dann sinnbildliche, emblematische, erzählende D.n auf Damit kam den Signeten bald eine mehr repräsentative Aufgabe zu, die immer weniger jener der Qualitätskennzeichnung dienen oder gar einen Rechtsschutz gewährleisten konnte. Drucker- und Verlegersignet wurden zu einem wichtigen Bestandteil der Buchdekoration.
Die schönsten, in ihrer klaren Form am meisten überzeugenden D.n findet man im 15. Jh. vor allem in Italien. Im 16. Jh. ist der Reichtum und die Vielfalt der Signete in Deutschland und Frankreich besonders groß.
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Exlibris, auch Bücherzeichen, Bucheignerzeichen oder Bibl.zeichen genannt, ist ein aus Text und Bild bestehendes graphisches Blatt in Kleinformat, das urspr. zur Besitzkennzeichnung bestimmt war und i. d. R. auf die Innenseite des Buchdeckels geklebt wurde. In unserem Jh. hat das E. seine eigentliche Aufgabe weitgehend verloren und ist zu einem Tauschobjekt für Sammler geworden. Der intern. gebräuchliche Begriff E. entstand aus den am Anfang des Besitzvermerkes stehenden Worten «ex libris», denen der Name des Eigners oder auch einer Institution folgt.
Handschriftlich wurden Bücher bereits im MA als Eigentum einer bestimmten Person oder Institution gekennzeichnet. Die Sitte, den Besitz eines Buches durch ein E. nachzuweisen, kam in ursächlichem Zusammenhang mit der Erfindung des Buchdrucks um 1470 in Deutschland auf, in den übrigen europäischen Ländern im Laufe des 16. Jh.s. Eine erste Blütezeit des E. fällt in die Jahre von 1500- 1650. Bedeutende Künstler wie Ammann, Burgkmair, Cranach, Dürer, Holbein und andere schufen E. Während die künstlerische Qualität der E. zwischen 1650 und 1800 allmählich nachließ, erlahmte das Interesse an der E.kunst im Laufe des 19. Jh.s fast ganz. Erst der Jugendstil entdeckte das E. wieder. Namhafte Künstler wie Behmer, Fingesten, Geiger, Klinger, Orlik, Ubbelohde, Vogeler-Worpswede und andere widmeten ihre Kunst dem E. und verhalfen ihm zu neuem Ansehen. Diese Entwicklung hält - nach kurzem Einbruch zwischen den beiden Weltkriegen - an. Bibl.en verwenden jedoch fast nur noch Geschenk-E.
Wie die künstlerische Gestaltung der E. alle Stilepochen seit ihrer Entstehungszeit widerspiegelt, so begegnen bei ihrer Herstellung nahezu alle graphischen Verfahren. Neben dem Holzschnitt fanden und finden vorzugsweise der Kupferstich, die Radierung, die Lithographie und der Lichtdruck Anwendung. In Holz geschnittene E. wurden gern koloriert, handgemalte oder gezeichnete E. sind selten.
Der bildliche Schmuck der E. deutet im allgemeinen auf den Besitzer, seinen Namen, seinen Beruf oder auf Ereignisse aus seinem Leben hin. Neben den anfänglich fast ausschließlich üblichen Wappen und Bildnissen der Eigner begegnen seit dem 16. Jh. auch allegorische, symbolische und religiöse Darstellungen, Monogramme, redende Bilder, berufs- und standesbezogene Motive, seit dem 17. Jh. Bibl.innenansichten, Genreszenen und Stilleben. Außer E. mit Bild und Wort kommen auch solche vor, die nur aus Text und einem dekorativen Rahmen bestehen. Bei den sog. Donatoren- oder Geschenk-E. weisen Bild und Text nicht auf den neuen Eigentümer hin, sondern auf den Stifter.
Der Förderung und Pflege der E.kunst und der Erforschung ihrer Geschichte dienen die seit Ende des vorigen Jh.s gegründeten und nach dem Zweiten Weltkrieg wiedererstandenen E.vereine einzelner Länder wie die Deutsche Exlibris-Gesellschaft (seit 1891 bzw. 1949), die Österreichische Exlibris-Gesellschaft (gegr. 1903), die englische Ex-Libris Society (gegr. 1891). Große öffentliche E.slg. besitzen u. a. das British Museum London, die Bayerische SB München, die Österreichische NB Wien, das Gutenberg-Museum Mainz, das Germanische Nationalmuseum Nürnberg. Die Zahl der Privatslg. ist unüberschaubar.

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Gutenberg, Johannes Gensfleisch zur Laden gen., geb. um 1400 wohl in Mainz, gestorben 3. 2. 1468 ebd., Erfinder des Buchdrucks.
1. F o r s c h u n g. Die wiss. Beschäftigung mit G. wurde 1640 begonnen, als der Domdechant von Münster (Westfalen) B. von Mallinckrodt (1591-1664) die niederl. Ansprüche, daß L. J. Coster von Haarlem als Erfinder der Buchdruckerkunst zu gelten habe, zurückwies. Mallinckrodts Buch erschien nicht von ungefähr zum 200. Jahrestag der Erfindung des Buchdrucks, die man im Anschluß an die Koelhoffsche Chronik von 1499 (GW 6688) auf 1440 datierte ( Abb. Bd. III, S. 309). Die Verteidigung G.s gegen andere Prätendenten auf die Erfinderschaft und mit der Erfindung in Zusammenhang stehende Jubiläen haben bis ins 19. Jh. hinein die G.-Forschung stimuliert. Sie beschränkte sich zunächst auf die mehr oder weniger unkritische Häufung von Argumenten unterschiedlicher Herkunft und Bedeutung. im 18. Jh. entdeckte man wichtige Quellen, die über das Leben G.s Auskunft geben. In dieser Hinsicht machten sich vor allem J. D. Köhler (1684 - 1755) und J. D. Schöpflin (1694 - 1771) verdient. Das 19. Jh. förderte durch die Hinwendung zur kritischen Geschichtsforschung und die Verfeinerung der bibliographischen Methode die G.-Forschung. Die dem Erfinder zugeschriebenen Drucke wurden als zusätzliche Quellengruppe herangezogen und gründlich analysiert. Die dadurch gekennzeichnete neue Epoche der Forschung währte bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und wurde von Druck- und Buchforschern wie K. Dziatzko (1842 bis 1903), 0. HupP (1859-1949), G. Zedler (1860 bis 1945), P. Schwenke (1853-1921) geprägt. Als Vertreter einer stark nationalistisch gefärbten G.-Forschung soll A. von der Linde (1833 -1897) angeführt werden.
Für die G.-Forschung des 20. Jh.s hat A. Ruppel (1882-1977) Bleibendes geleistet. Er schrieb nicht nur die heute (1990) in mancher Hinsicht noch maßgebende Biographie des Erfinders (1939, Neuaufl. 1947 und 1967), sondern baute auch das G.-Museum in Mainz zu einem Zentrum der Buchforschung aus und schuf mit dem seit 1926 erscheinenden Gut.-Jb. ein Forum der wiss. Diskussion. Die G.-Forschung der neuesten Zeit ist durch gewandelte Fragestellungen und den Einsatz moderner technischer Untersuchungsmethoden (z.B. die Beta-Radiographie und Elektronenradiographie zur Erfassung von Wasserzeichen und die Untersuchung der Druckfarbe mit Hilfe des Protonenbeschleunigers) gekennzeichnet; auch kann man von einer intern. Ausweitung sprechen. Dennoch ist die G.-Forschung immer noch mit jenen Schwierigkeiten belastet, die ihr von Anfang an zu schaffen gemacht haben: Da sind zu nennen die Neigung zu überzogenen und unbeweisbaren Hypothesen und ein gewisser Hang zur «Hagiographie», wenn es um die Person des Erfinders geht. Dagegen können nur Bereitschaft zur Bescheidung auf das Belegbare und eine kritische Grundhaltung helfen.
2. Z u r P e r s o n. Als jüngerer Sohn des Frielo Gensfleisch zur Laden (gestorben 1419) entstammte G. einer angesehenen und begüterten Mainzer Patrizierfamilie. Seine Mutter, Else Wirich zum steinen Krame (gestorben um 1433), scheint jedoch nicht ebenbürtig gewesen zu sein, was sich möglicherweise auf die soziale und wirtschaftliche Einschätzung des Erfinders durch seine Umwelt ausgewirkt hat. Während der schweren Auseinandersetzungen zwischen den Patriziern und den Zünften, die das politische Leben in Mainz während der ersten Jahrzehnte des 15. Jh.s bestimmten, verließ G. 1428 seine Vaterstadt. Seit 1434 hielt er sich in Straßburg auf, wo er über Renteneinkünfte verfügte. Wegen ausstehender Rentenzahlungen ließ G. den Mainzer Stadtschreiber Nikolaus von Werstat in Schuldhaft nehmen. Er hatte also die durch den Mainzer Sühnevertrag («Rachtung») VOm 28. 3. 1430 gebotene Möglichkeit, nach Hause zurückzukehren, nicht genutzt und war den politisch führenden Kreisen seiner Vaterstadt feindlich gesinnt. In der Rentenfrage kam es zu einer Einigung, G. richtete sich dennoch auf einen längeren Aufenthalt in Straßburg ein. Er nahm Wohnung in der Vorstadt St. Arbogast und schloß sich als «Nach-Constofler», d. h. nicht vollberechtigtes Mitglied, den Geschlechtern an (seit 1436). Das hinderte ihn später nicht, als «Zugeselle» zus. mit der Goldschmiedezunft seinen Pflichten zur Verteidigung der Stadt nachzukommen. Vielleicht hat er auch ernstlich daran gedacht, durch die Heirat mit einer Straßburgerin die vollen Bürgerrechte zu erwerben. Die Angelegenheit muß sich aber nach hoffnungsvollem Beginn zerschlagen haben; denn 1437 verklagte die Patrizierstochter Ennelin zu der Iserin Thüre G. vor dem geistlichen Gericht wegen eines gebrochenen Eheversprechens. Auch in anderer Hinsicht sind es Gerichtsakten, die uns wichtige Nachrichten über G.s Straßburger Zeit vermitteln. Im Jahre 1439 kam es zu einem Prozeß, den die Straßburger Bürger Jörg und Claus Dritzehn anstrengten. Aus den Akten geht hervor, daß G. sich mit der Verbesserung gewisser handwerklicher Techniken befaßte und gegen ein «Lehrgeld» auch andere darin unterrichtete. Mit Andreas Dritzehn, dem Bruder der Kläger, und Heinz Riffe, Vogt zu Lichtenau, kam es auch zu einer geschäftlichen Verbindung zur Herstellung von «Aachenspiegeln», d. h. von Wallfahrtszeichen zur Aachener Heiligtumsfahrt. Es ist in diesem Zusammenhang auch andeutungsweise von «anderen Künsten» die Rede. G. hat Straßburg nach dem 12. 3. 1444, als er noch einmal die städtische Weinsteuer entrichtete, verlassen. Für mehr als vier Jahre gibt es keine Zeugnisse über sein Leben. Im Laufe dieser Zeit ist er dann nach Mainz zurückgekehrt, wo er am 17. 10. 1448 durch Vermittlung seines Verwandten Arnold Gelthus ein Darlehen von 150 Gulden erhielt.
Hier wohnte der Erfinder wahrscheinlich im Hof zum Gutenberg (bis zur Vertreibung infolge der sog. <> von 1462). Er nahm alsbald geschäftliche Beziehungen zu dem Makler und <> Johann Fust auf, mit dem er sich Anfang der 1450er Jahre zu einem Gemeinschaftsunternehmen, dem «Werk der bucher», zusammentat. Die Gesellschafter entzweiten sich aber nach einiger Zeit und gingen 1454/1455 vor Gericht. Über den Prozeß und seinen unglücklichen Ausgang für G. gibt wenigstens z. T. das «Helmaspergersche Notariatsinstrument» vom 6. 11. 1455 Auskunft. Der Erfinder wurde zur Rückzahlung eines Darlehens zuzüglich der aufgelaufenen Zinsen und Zinseszinsen (mehr als 1000 Gulden) verurteilt und mußte über die mit dem Gemeinschaftsunternehmen zusammenhängenden Einnahmen und Ausgaben Rechenschaft ablegen. Er verlor allem Anschein nach an seinen Prozeßgegner die diesem verpfändeten Geräte und die Werkstatt, scheint aber auf eigene Rechnung und wohl in bescheidenem Umfang weitergearbeitet zu haben. Gewiß hat er auch unter der Eroberung und Plünderung von Mainz während der «Stiftsfehde» (28./29. 10. 1462) ZU leiden gehabt und dürfte auch von der Ausweisung der Bürgerschaft, die dem bisherigen Erzbischof angehangen hatte, mitbetroffen gewesen sein. Wie diese durfte er aber bald wieder zurückkehren und fand im Hof zum Algesheimer ein Unterkommen. Daß er im Jahre 1461 auf Betreiben des Straßburger St. Tomasstiftes wegen seit 1457/1458 nicht gezahlter Schuldzinsen vom kaiserlischen Hofgericht in Rottweil geächtet wurde, scheint keine schwerwiegende Folgen für ihn gehabt zu haben. Der neue Erzbischof, Kurfürst Adolf von Nassau, hatte keine Bedenken, G. am 17. 1. 1465 zu seinem Hofinann zu machen, wodurch diesem gewisse regelmäßige Einkünfte verbrieft wurden. Daß der Erfinder im Alter erblindete, geht auf eine Behauptung des Humanisten Jakob Wimpfeling (1450-1528) vom Jahre 1508 zurück. Die Richtigkeit dieser Nachricht wird durch keine andere Quelle bestätigt, sie kann gleichwohl nicht einfach in das Reich der Legende verwiesen werden. Der Leichnam G.s fand seine letzte Ruhestätte in der 1742 abgerissenen Franziskanerkirche zu Mainz. Der von den Jesuiten errichtete Nachfolgebau wurde bei der Beschießung der Stadt durch die Franzosen 1793 zur Ruine, die Trümmer hat man Anfang des 19. Jh.s beseitigt. Das Grab ist somit nicht erhalten; es gibt aber eine Grabschrift, die Adam Gelthus verfaßt und 1499 veröffentlicht hat. Am 26. 2. 1468 erhob der Mainzer Syndikus Dr. Konrad Humery auf das von G. hinterlassene Druckgerät Ansprüche und verpflichtete sich dem Kurfürsten gegenüber, es nicht aus der Stadt bringen zu lassen.
3. B i l d n i s s e. Ein authentisches Porträt G.s ist bisher nicht bekannt geworden. Das älteste, genau datierte Bildnis findet sich in dem großen biographischen Sammelwerk des Basler Arztes H. Pantaleon «Prosopographiae heroum atque illustrium virorum totius Germaniae» (Basiliae 1565-1566). Der Holzschnitt ist aber auch für andere Personen verwendet. Dasselbe gilt auch für die Ausg. des Werkes in dt. Sprache (Basel 1568 bis 1570). Hier ist nicht nur ein anderes Porträt als in der vorhergehenden Ausg. mit G. in Verbindung gebracht, der Holzschnitt wird auch bei den Biographien von Persönlichkeiten des 9.-13. Jh.s verwendet. Wenig Vertrauen verdient die in modernen Darstellungen häufig wiederverwendete Abb., die den Erfinder mit einem auf seinen Beruf hinweisendem Attribut (Kästchen mit Punzen) zeigt und auf A. Thevet («Les vrais pourtraits et vies des hommes illustres». Paris 1584) zurückgeht. Ob dieser Kupferstich auch die Vorlage für ein Bildnis war, das J. Moxon seinem Handb. über die Buchdruckerkunst «(Exercises on the whole art of printing». London 1683) beifügte, oder ob beide Abb. auf ein echtes Porträt zurückgeführt werden können, muß offen bleiben. Die letztgenannte Möglichkeit hat wenig Wahrscheinlichkeit für sich. Eine 1967 bekannt gewordene Miniatur aus der SLg. 0. Schäfer (Schweinfurt) dürfte auch entgegen der urspr. Annahme nicht authentisch sein. Die Zahl der in aller Welt aufgestellten G.-Denkmäler ist überaus groß. Den Beginn machte das Standbild, das 1836 nach einem Modell von B. Thorwaldsen (1768 bis 1844) in Paris gegossen wurde und in Mainz steht (s. Abb. Bd. III, S. 52). Hier ist auch die 1962 aufgestellte Bronze-Büste des Erfinders von dem finnischen Künstler W. Aaltonen zu sehen.
4. D a s W e r k. Das Ziel von G.s Erfindung war «die mechanische Umsetzung der einmaligen Schriftseite in die beliebig austauschbare Druckletterkomposition» (Schmidt-Künsemüller), von der die benötigte Anzahl von Ex. abgedruckt werden konnte (Buchdruckverfahren). Die Entwicklung der handwerklichen Techniken und die wirtschaftliche Lage der Epoche begünstigten das Unternehmen. G. konnte manche technische Verfahren übernehmen bzw. sie leicht seinen Zwecken anpassen. Das gilt für die Fertigung von stählernen Punzen, den Metallguß in Matrizen und die in wichtigen Teilen schon existierende Presse (Buchdruckpresse und -maschine). Den Kern der Erfindung bildete das Handgießgerät, das die Herstellung einer beliebig großen Anzahl von genau zu einander passenden Typen mit den verschiedenen Lettern und Zeichen ermöglichte. Die erforderliche Präzision, die mit der damals sonst üblichen Handarbeit nicht zu erreichen war, gewährleistete das Gießgerät, das man «einen der frühesten Automaten» genannt hat. Allerdings hat G. aus der Zerlegung der Schrift in Einzelbuchstaben noch nicht die scheinbar naheliegenden Konsequenzen gezogen. Er hielt vielmehr am überkommenen Schriftbild fest und nahm dafür umfangreiche und komplizierte Mehrarbeit in Kauf, indem er Typen für Abkürzungen, Ligaturen und Nebenformen schuf. Etwas überspitzt kann man sagen, daß er mit einem hochmodernen Verfahren noch völlig ma. Bücher geschaffen hat. Es blieb der folgenden Druckergeneration, insbes. in Italien, vorbehalten, die der neuen Technik eigenen Gesetzlichkeiten zu respektieren und zu der uns geläufigen Vereinfachung des Schriftbildes zu finden. Dieses in der Technikgesch. auch sonst zu beobachtende Phänomen schmälert aber nicht die großen Verdienste G.s. Ohne seine Erfindung wäre die kulturelle und zivilisatorische Entwicklung der Neuzeit unvorstellbar. Es schmälert ebensowenig die Bedeutung G.s, daß er wahrscheinlich nicht alle Einzelheiten des neuen Verfahrens selbst entwickelt hat, sondern sich die Dienste tüchtiger Mitarbeiter zunutze machen konnte, Hier ist vor allem Peter Schöffer zu nennen, der nach eigenem Bekunden «sculpendi lege sagitus» war (GW 7580), also etwas vom Metallschnitt verstand. Johannes Trithemius behauptete später, Schöffer habe vor allem den Typenguß verfeinert. Wie es darüber hinaus um die Mitwirkung Schöffers bestellt war, muß offenbleiben.
Wie G. im einzelnen zu seiner Erfindung gekommen ist, darüber fehlen zuverlässige Nachrichten. Nach der Koelhoffschen Chronik wurde der entscheidende Schritt «by den iairen vns heren anno domini MCCCCXL» getan, dann habe man zehn Jahre lang «vndersoicht die kunst ind wat dairzo gehoirt» (s. Abb. S. 309). Als Jörg Dritzehn 1439 G. auf Beteiligung an dem von ihm betriebenen Unternehmen verklagte, da ging es wohl noch um die Herstellung von «Aachenspiegeln». Die Materialien und Werkzeuge, die bei der Verhandlung zur Sprache kamen, waren jedenfalls zur Fertigung von derartigen Wallfahrtszeichen geeignet. Offenbar sollten diese nicht mehr gegossen, sondern geprägt werden. Weil man sich über den Termin der Aachener Heiligtumsfahrt geirrt hatte, drängten die Teilhaber G., sie auch mit seinen «anderen» Künsten vertraut zu machen. Bei diesen könnte es sich sehr wohl schon um den Buchdruck gehandelt werden, für dessen Entwicklung ihm in Straßburg immerhin noch die Zeit bis 1444 zur Verfügung stand. Ob aber in der elsässischen Stadt schon gedruckt wurde, kann nicht eindeutig bewiesen werden. Neuerdings wird die Möglichkeit diskutiert, daß dort ein Sibyllenbuch (Fragment vom Weltgericht) entstanden sei (Kapr).
Nach Mainz zurückgekehrt (1448), dürfte G. das neue Verfahren bald so weit entwickelt haben, daß er Anfang der 1450er Jahre in Fust einen Geldgeber und Teilhaber zum Druck der Bibel mit 42 Zeilen fand. Bevor es dazu kam, muß er durch Kleindrucke, z. B. Donate, die Leistungsfähigkeit der neuen Technik bewiesen haben. Nach Fertigstellung der Bibel (1454?) trennten sich die Teilhaber in Unfrieden. Der Erfinder scheint mit seiner ältesten Schrift Donat-Kalender-Type) in seiner «Urdruckerei» auf eigene Rechnung Kleindrucke (z. B. die Mahnung der Christenheit wider die Türken, den Aderlaßkalender auf das Jahr 1457 u. a. m.) hergestellt zu haben. Wahrscheinlich kam auch der Ablaßbrief zu 31 Zeilen (Mainzer Ablaßbriefe) aus seiner Presse. Da derartige Formulare bei der Ausgabe datiert wurden, muß das 1454 geschehen sein. Für den Text des Ablaßbriefes wurde eine Brotschrift kleinen Grades geschaffen, wie sie auch beim Catholicon von 1460 Verwendung fand. Ob G. auch am Druck dieses umfangreichen und von manchen Geheimnissen umwitterten großen Handbuches beteiligt gewesen war, ist z.Zt. (1990) wieder umstritten. Ob und wie er die Jahre bis zu seinem Tode (1468) noch als Drucker gearbeitet hat, ist ebenfalls ungewiß.
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| Gutenberg-Bibel,
42-zeilig |
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Die B42 ist um 1452-1454 in Mainz gedruckt. Vielleicht wurde sie schon 1450 begonnen und 1453 fertig (S. Corsten). Die Bibel wurde im Oktober 1454 zum Kauf angeboten (E. Meuthen). Ein Rubrikatorenvermerk vom August 1456 galt bisher als terminus. Das erste große Werk nach Erfindung des Buchdrucks ist nach Gestalt der Typen und Geschlossenheit des Satzspiegels (harmonisches Schriftbild) ein kaum je übertroffenes Meisterwerk, wobei die Möglichkeit der Typographie nicht ausgeschöpft wurden. Obwohl Gutenberg in keinem Zeugnis unwiderleglich als Urheber genannt ist, gilt heute als gesichert, dass die B. von ihm in der Gemeinschaftsdruckerei mit Johannes Fust gedruckt wurde, wobei die Beteiligung Peter Schöffers sich nicht genau präzisieren lässt. Wegen der hohen Kosten verlor Gutenberg einen Prozeß. (Helmaspergersches Notariatsinstrument vom 6. 11. 1455)
Der Text ist die lat. B. (Vulgata nach einer rheinischen Hs. mit Pariser Textform des 13. Jhs.). Die B42 ist normalerweise in zwei Bände mit 324 und 319 Blättern gebunden. Band I, Bl. 1 - 5r und 129 - 132r kommen mit 40 Zeilen vor, Bd. I, Bl. 5v hat 41 Zeilen und leitet zur Zeilenzahl von 42 über. Später erfolgte ein Neusatz dieser Seiten bei einer Auflagenerhöhung; auch weitere Seiten wurden neu gesetzt (Ergänzungsdruck). Nur am Anfang wurden die Überschriften rot gedruckt, dann durch den Rubrikator handschriftlich eingefügt (so auch im Neusatz; eine gedruckte Anweisung <> ist erhalten). Man schätzt die Auflagenhöhe auf ca. 150 Papierexemplare (die Anfangsauflage von 100 bis 120 wurde erhöht) und 30 (25-35) Pergamentexemplare. Man kann die Setzerabschnitte bestimmen; am Schluss waren sechs Setzer gleichzeitig tätig. Für die B42 wurde eine Missaletype (Textura) mit 290 verschiedenen Typen für Abkürzungen, Ligaturen, schmale und breitere Buchstaben geschaffen. Das Papier (überwiegend aus Piemont) kostete insgesamt mindestens 300 Gulden, das Pergament (pro Ex. 80 Häute) 240 Gulden. In einer Notiz aus dem 15. Jh. Wird der Preis für ein Ex. der B42 mit 100 Gulden angegeben.
Die seit Schwenke abgelehnte These, dass Gutenberg die handschriftliche Vorlage möglichst getreu nachgeahmt (durch den Druck eine Art Faksimile geliefert) habe, wurde 1982 durch W.B. Todd wieder vertreten und 1983 von P. Needham zumindest teilweise widerlegt. Die Übergänge von 40 auf 41 und 42 Zeilen hätten sich nach Todd bereits in der Hs. gefunden. Die seit 1900 vertretende Theorie, dass Gutenberg zweimal die Kegelhöhe Tausender von Typen abschleifen ließ, um durch den Übergang auf 41 und 42 Zeilen Papier oder Pergament einzusparen, ist ebenfalls sehr problematisch.
Die B42 wurde früher oft als Mazarin-B. bezeichnet, nachdem 1736 das Exemplar der Mazarin-Bibliothek in Paris von G. Fr. de Bure in seiner <> beschrieben worden war. 1913 wurde die B. in Faksimile von P. Schwenke hrsg.(Insel-Verlag), im wesentlichen nach dem Berliner Exemplar (rekosntruierter Urdruck), 1797 ebenfalls im Lichtdruck (Idion-Verlag), diesmal vollständig nach dem besonders reich illuminierten Berliner Exemplar.
Die Gutenberg-Bibel ist im Hinblick auf spektakuläre Hss.auktionen zwar nicht das teuerste Buch der Welt, wohl aber die höchstbezahlteste Druckschrift. Dabei geht es nicht um die Seltenheit. Mit 46 mehr oder weniger vollständigen Ex. (elf Pergament, 35 Papier) sind 25% der vermuteten Auflage erhalten, was ganz ungewöhnlich ist und die Wertschätzung der B. von Anfang an zeigt. 1793 kostete ein vollst. Papierexemplar 2000 Mark, 1878 ein unvollst. Pergamentex. 50000 Francs, 1926 ein vollst. Pergamentex. 250000 Dollar. Als 1978 in New York sensationellerweise drei Papierex. zum Verkauf standen, erwarb die University of Texas in Austin das Ex. Von Perry aus der Slg. Pforzheimer für 2,4 Mio. Dollar, das Gutenberg-Museum die Shuckburgh-B. aus der Sammlung Houghton für 1,8 Mio. Dollar und die Württembergische Landesbibl. in Stuttgart für ihre Bibelslg. die B. aus Offenburg (Baden), später General Theological Seminary in New York für 2,2 Mio. Dollar. Die Registrierung der bekannten Gutenbergb.n. hat seit Th. F. Diblin 1814 (der 15 Ex. nannte) eine reiche Geschichte. Die Grundlagen für heute wurden von de Ricci 1911 und Schwenke 1923 gelegt. Man zählt auch umfangreiche Fragmente, die größere Teile des AT oder NT umfassen, nicht aber einzelne Blätter. Diese stammen vielfach aus der 1832 versteigerten B. der Mannheimer Hofbibliothek, die später von Wells, New York, in Einzelteilen verkauft wurde, und der unvollständigen 2. Trierer Bibel. Norman zählt 166 Fragmente, überwiegend in den USA.
Vollst. Pergamentex. befinden sich Göttingen, Paris, London und Washington (Library of Congress), unvollst. in Berlin (West), Fulda, Leipzig, London (Lambeth Palace), Vatikan, San Marino/ Californien (Huntington) und New York (Pierpont Morgan). Vollst. Papierex. sind in München, Frankfurt a. M., Mainz, Stuttgart, Paris (Bibl. Mazarine), London (British Library), Cambridge, Eton, Oxford, Manchester, Edinburgh, Wien, Lissabon, New York (Pierpont Morgan, und unvollst. Ex.), Austin (Texas), Cambridge (Mass.), New Haven (Connecticut). Unvollst. Papierex. Befinden sich in Aschaffenburg, Trier (Stadtbibl. T. I; der unvollst. 2. Teil heute größtenteils in Mons, Belgien, in dem Nachlass Graf Seilern, Vaduz und Lilly Library, Bloomington/Indiana), Immenhausen bei Kassel T. 1, 1975 identifiziert, Leihgabe in Kassel), Kopenhagen (T. 2) Paris (Bibl. Nat.), Saint-Omer, Pelplin (Polen), Cologny/ Genève (Bodmeriana), Burgos, Sevilla (nur NT), Vatikan (T. 1), New York (Public Library), Princeton/New York (Scheide), Camarillo/Californien (T. 1). Es sind nach 1978 demnach 36 B.n. in Europa und zwölf in den USA. Die beiden B.n. in Leipzig (Deutsche Bücherei und Univ. Bibl.) sind seit der Auslagerung im Zweiten Weltkrieg verschollen.
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1. Art und Duktus der Schriftzüge einer Person in ihrer individuellen Ausprägung, etwa als deutliche, ausgeschriebene, unleserliche H.
Aus ihrer Eigenart kann ein nicht genannter Schreiber eines Textes identifiziert werden. Die Graphologie versucht, aus der H. die Veranlagung und den Charakter des Schreibers abzuleiten.
2. Mit der Hand geschriebenes im Gegensatz zum Gedruckten (ohne zeitliche Begrenzung). Von Autoren eigenhändig geschriebene Texte, Autographen genannt, begegnen vereinzelt schon im MA, in größerem Umfang in der Neuzeit.
Im engeren Sinne bezeichnet H. das Buch im MA, das vor Erfindung des Buchdrucks mit der Hand geschrieben wurde (sowohl in Rollen- wie in Codexform). Die Bedeutung <> überwiegt im üblichen Sprachgebrauch; entsprechend werden die großen Handschriftensammlungen an der Zahl und Bedeutung ihrer mittelalterlichen Handschriften gemessen. Aus der Spätantike sind einige wenige Papyrus-Codices erhalten (zumeist fragmentarisch); das MA schrieb auf Pergament und seit Ende des 13. Jh. auch auf Papier. [...] Im Gegensatz zum gedruckten Buch, das entsprechend seiner Vervielfältigungstechnik in zahlreichen identischen Ex. hergestellt wird, ist jede H. ein einmaliges, d.h. individuelles Stück. Deshalb ist allen ihren verschiedenen Elementen - dem Äußeren, dem Inhalt sowie eventuell vorhandenen Besonderheiten - größte Aufmerksamkeit zu widmen, angefangen vom Einband, dessen einzelne Teile oft wichtige Merkmale über Entstehung und Geschichte der H. aufweisen, über die Feststellung der Wasserzeichen bei Papierh.en bis hin zu inhaltlichen Hinweisen über die oftmals recht verwickelte Geschichte.
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1. B e g r i f f: Als Inkunabel (lat. Incunabula = Windeln, übertragen: frühe Kindheit, Anfänge) bezeichnet man die Drucke, die bis einschließlich 1500 ersch. sind. Der Name weist ursprünglich nur auf eine Anfangszeit hin, so bei Mallinckrodt (De ortu ac progressu artis typographicae dissertatio, 1640) und anderen. Der Begriff der I. für Erzeugnisse des frühen Buchdrucks wurde erst Ende des 18. Jhs. auf die Bücher selbst übertragen, etwa gleichzeitig wurde das Lehnwort I. aus lat. Incunabula gebildet. Jüngeren Ursprungs ist die nicht korrekte und missverständliche dt. Lehnübertragung <>, die sich im dt. Sprachraum vor allem in der 1. Hälfte des 20. Jhs. eingebürgert hat. (Gesamtkatalog der Wiegendrucke, Frühdruck)
2. A b g r e n z u n g. Die Inkunabelzeit zeichnet sich dadurch aus, dass man an ihr die Entwicklung von der frühen, noch stark am handschriftlichen Vorbild orientierten Form bis hin zur eigenständigen, handwerksmäßigen und von kaufmännisch-gewerblichen Gesichtspunkten bestimmten Gestaltung der Drucke beobachten kann. Die Obergrenze 1500 ist als Fixdatum natürlich willkürlich, trifft aber für Deutschland recht gut diesen Umbruch, wenn es auch mit Koberger in Nürnberg und mit Grüninger in Straßburg schon vorher handwerksmäßige Werkstätten gab. Gut passt die Grenze im allg. auch für Italien, wobei sich allerdings in Venedig der Übergang sehr viel früher, ca. 1480, vollzog. Ebenso steht es mit Paris, wo der Umschwung Mitte der 1490er Jahre stattfand, während Lyon erst am Anfang des 16. Jhs. diese Stufe erreichte, um die übrigen franz. Druckerstädte noch später folgten. England und Spanien und ebenso die Offizinen des europäischen Ostens haben den Übergang erkennbar erst im 16. Jh. vollzogen.
3. Z a h l, A u f l. , P r e i s e der I n. Während man früher gemeinhin von ca. 40 Tsd. I.ausgaben ausging, muss man nach den Untersuchungen von K. Dachs und W. Schmidt mit nur ca. 27 Tsd. rechnen. In der Frühzeit waren die Auflagen klein, nur etwa 100-300 Ex. Bei Liturgica, für die es einen festen Abnehmerkreis gab, kennen wir Zahlen von 400-500 Stück. Aufl. von 1000 und mehr Ex. wurden gegen Ende des Jhs. erreicht, bei den Einblattdrucken wird damals schon ein mehrfaches bezeugt. In der Inkunabelzeit gab es keine Festpreise, und die überlieferten Preisangaben differieren sehr stark. Nach einer Meldung aus Rom kostete 1467 ein gedr. Buch nur ein Fünftel der Summe für eine entsprechende Hs.
4. Ä u ß e r e s. Die In. sind mehr oder weniger durch die Anlehnung an das Vorbild der Hss. gekennzeichnet. Im Anschluss an diese haben sie erst spät und selten ein Titelblatt erhalten und pflegen die Angaben über Verf., Titel, Ort, Datum, Name des Druckers und eventuell noch weitere Angaben über die Entstehung des Drucks ins Kolophon ans Ende zu setzen. Mehr als ca. ein Drittel aller In. haben ein Kolophon.
Das Papier stammt in der Hauptsache aus Italien, aber auch aus Deutschland, Frankreich und Spanien. Es war in der Anfangszeit von guter Qualität, die sich aber teilweise im Laufe der Zeit verschlechterte. Wurden ursprünglich eher größerformatige Bücher (Folio und Quarto) gedruckt, so kam in der Spätzeit das handlichere Oktavformat hinzu (bei Aldus Manutius). Gedr. wurde anfangs seitenweise, später in Formen. Als Information für den Buchbinder zur rechten Ordnung der Lagen diente das Registrum, das - zuerst von Heinrich Eggestein angewandt - eine Übersicht über die Anfangsworte der Doppelbl. und Lagen gab. Von Deutschland aus fanden eingedruckte Signaturen durch Johann Koelhoff in Köln (1472) intern. Verbreitung. Die Verwendung von Kustoden (erstmals 1471 in Venedig) wurde in Deutschland von Johann Koelhoff 1475 übernommen. Eine gedr. Blattzählung findet sich schon 1470 bei Arnold Ter Hoernen in Köln, Seitenzählung so gut wie gar nicht (frühe Ausnahme: Nikolaus Götz in Köln um 1474). Für die Einteilung der Seiten in Spalten waren offenbar die Vorlagen maßgebend. So sind Bibeldrucke und Liturgica mit Ausnahme der Psalterien meist zweispaltig gesetzt, ebenso Rechtstexte; ital. Klassikerausg. waren dagegen in Langzeilen gehalten.
Schon früh wurde es üblich, den Satz eines Buches unter verschiedenen Setzern aufzuteilen, die dann die ihnen zugewiesenen Teile zeitlich parallel setzten. Mangelnde Übung in der Anfangszeit und Satz nach Ms. ließen diese Setzerabschnitte deutlich zutage treten (freie Seiten oder Blätter am Ende des Setzerabschnitts, ebenso gedrängter oder gestreckter Satz, unregelmäßige Lagen bei sonst gleichmäßiger Lagenstärke). Das Bemühen der Drucker, Papier zu sparen, führte schon früh zur Erhöhung der Zeilenzahl pro Seite und schließlich zur Verwendung kleinerer Typen. Die Typen wurden nach handschriftlichen Vorbildern entworfen; vor allem am Anfang schlug sich in ihnen die regionale Tradition nieder. Schon bald aber traten Einflüsse bes. aus Italien hinzu; so war die Goticoantiqua in der Frühzeit stark vertreten, bis sie in der ersten Hälfte der 1480er Jahre von der Rotunda verdrängt wurde. Neben die vor allem für Bibeln und Liturgica übliche Textura traten also andere gotische Formen und dann die ebenfalls zunächst in Italien verwendete Antiqua. Für volkssprachliche Texte wurden vielfach Bastardschriften (Bastarda) üblich. In Italien gab es relativ früh den Druck mit griech. Buchstaben (vor allem am Ende des Jh.s. bei Aldus Manutius). An das Vorbild der Hss. erinnern auch die zahlreichen Abbreviaturen und Ligaturen, die - obwohl beim Druck hinderlich und kostensteigernd - lange Zeit beibehalten wurden Abkürzungen im Frühdruck). Wichtig ist, daß die Druckschriften der I.zeit deutlich individuelle Züge trugen und noch nicht gewerbsmäßig hergestellt wurden. Das erlaubt mit Hilfe der Proctor-Haeblerschen Methode eine Identifizierung auch unfirmierter Drucke (Inkunabelforschung).
Ganz nach handschriftlichem Vorbild waren die Initialen ausgespart, um durch einen Rubrikator eingezeichnet zu werden. Eingedr. Repräsentanten erleichterten ihm die Orientierung. Ebenso konnten Überschriften handschriftlich eingetragen werden. Diese handschriftl. Vollendung des Druckes, der nur den eigentlichen Text in Schwarzdruck lieferte, gab in der Nachfolge der Hss. auch Ex. der gleichen Auflage ein sehr unterschiedliches Aussehen. In logischer Konsequenz wurden aber auch Versuche gemacht, die Initialen mitzudrucken. Berühmt sind die mehrfarbigen, kunstvollen Zierbuchstaben des Mainzer Psalters aus Metall. Große Verbreitung fanden Holzschnittinitialen, die z. B. in den Bildinitialen Günter Zainers für seine dt. Bibel von 1477 künstlerische Vollendung erfuhren. Die Initiale war in Deutschland wesentlich von der Spätgotik, in Italien und Frankreich von der Renaissance geprägt. Daneben gab es schon bei Gutenberg zusätzlich Rotdruck, später vielfach bei Liturgica (für die Anweisungen) und fürJuridica. Da man aber den großen Aufwand dieser Prozedur scheute, kam der Farbdruck zugunsten verschiedener Schriftarten zeitweise außer Mode. Vereinzelt gab es auch Golddruck (z. B. Ratdolt). Zur Bebilderung der In. dienten schon früh Holzschnitte, die dann mit der Hand koloriert wurden, so z. B. schon bei den Drucken Albrecht Pfisters 1460/1461. Berühmt wurden die ill. Drucke aus Augsburg, aber auch z. B. die Kölner Bilderbibeln von 1478/1479 mit kanonbildendem Zyklus oder die Schedelsche Weltchronik von 1493. Nur vereinzelt wurden Versuche mit dem Kupferstich unternommen, so in der Ptolemäus-Ausgabe (Kartendruck) von Sweynheim und Bucking in Rom 1473/1478 oder in der Dante-Ausg. des Niccolo di Lorenzo della Magna von 1481. Etwas häufiger wurden in Deutschland und Paris Metallschnitte verwendet. Erst im letzten Jahrzehnt der I.Zeit gab es häufiger sog. Titelholzschnitte.
Schon früh (zuerst Fust und Schöffer 1462) benutzten einige Drucker eine Druckermarke. Sie steht am Ende des Buches in Verbindung mit dem Kolophon oder statt seiner. Nachdem sich vor allem in Italien und Frankreich, weniger in Deutschland ein eigener Verlegerstand herausgebildet hatte, dem fest bezahlte Lohndrucker gegenüberstanden, findet sich neben dem Druckerzeichen (oder statt seiner) am Schluss häufig auf dem Titelblatt ein Verlegerzeichen. (bes. qualitätvoll in Pariser In.)
5. N a c h d r u c k, P r i v i l e g i e n und Z e n s u r. Der Nachdruck war in der I.Zeit nicht verboten, er war u. a. wegen der leichteren Kalkulation für die Setzer beliebt; entgegenstehende Rechtsvorschriften, z. B. ein Autorenrecht, gab es noch nicht. Irreführend wirkt sich der Nachdruck aus, wenn das Kolophon unverändert übernommen bzw. gefälscht wurde. (so z. B. durch Ulrisch Scinzenzeller in Mailand). Bald suchten sich die Drucker vor den geschäftlichen Folgen des Nachdrucks durch Privilegien zu schützen. Diese Privilegien waren aber nur in den jeweiligen Territorialstaaten gültig. Das älteste von 1469 in Venedig für Johann von Speyer war die Garantie eines Handelsmonopols. Dort gab es auch Sammelprivilegien für mehrere Bücher. Bei den Autorenprivilegien ging es in erster Linie um die Wahrung des geschäftlichen Interesses. Italien (bes. Venedig) war führend bei der Privilegienvergabe, Frankreich und Spanien folgten dem ital. Vorbild. [...]
Durch die Erfindundg des Buchdrucks bekam die Zensur eine neue Bedeutung: die Kirche, aber auch weltliche Gewalten, suchten die nun möglich gewordene massenhafte Verbreitung von gefährlich eingestuften Druckwerken zu verhindern. 1479 erließ Papst Sixtus IV. ein Breve, das der Kölner Univ das Zensurrecht übertrug, 1485 kam es zu einer Zensurordnung des Mainzer Erzbischofs. 1487 folgte eine Bulle von Papst Innozenz VIII. für die ganze Kirche. Dennoch finden sich Approbationsvermerke der Zensurbehörden nur vereinzelt in den I.n. In Spanien gab es offenbar eine kgl. Zensurbehörde, die entsprechende Vermerke ausstellte.
6. B e d e u t u n g und i n h a l t l i c h e s P r o f i l. Die I.n genießen als ehrwürdige Zeugnisse des frühen Buchdrucks und auch als künstlerische Produkte hohe Wertschätzung, die sich - verbunden mit der mehr oder minder großen Seltenheit der Stücke - auch in entsprechenden Preisen des Antiquariatsbuchhandels äußert. Auf der anderen Seite sind die I.n als Träger von Inhalten auch Zeugnisse der Kultur- und Geistesgesch., vermitteln durch Art, Zeitpunkt, Häufigkeit und Ort der Veröff. und eventuell durch den Namen des Veranlassers bzw. Hrsg.s Einblicke, die noch längst nicht ausreichend genutzt sind. (Inkunabelforschung)
Auch inhaltlich begann der Buchdruck im engen Anschluss an die Hss.: Schulbücher, Bibeln, Liturgica, Ablassbriefe usw.; Prachtwerke und Gebrauchsschriften standen von Anfang an nebeneinander. Regionale Unterschiede werden deutlich, wenn der Buchdruck Italiens klassisch-humanistisch und (weniger) durch die Kirchenväter, derjenige in Deutschland mehr theologisch-religiös geprägt war (vgl. z. B. die zahlreichen Bibelausg.). Verhältnismäßig gering war die frühma. Theologie vertreten, gut dagegen die hochma. (Scholastik), zahlreich auch die Homiletik. [...] Italien produzierte viel an Kanonistik und viel an weltlichem Recht, vor allem Kommentare usw. der Postglossatoren. In Deutschland überlieferte man noch relativ viel an altem Recht, in Frankreich und Spanien das der Regionen. Die Univ. mit ihrem Lehrbetrieb scheinen gegenüber der neuen Erfindung zunächst eher zurückhaltend gewesen zu sein. Die Werke der Antike kamen vor allem in Italien zum Druck. Der sich hier zeigende humanistische Geist schlug sich in vielen Ed. und Kommentaren nieder. Die Werke der großen Humanisten (Dante, Petrarca, Boccaccio) waren in Italien und außerhalb vielfach verbreitet. In Deutschland übten humanistisch gesinnte Männer Einfluss auf den Buchdruck aus, so in Ulm (Steinhöwel), Nürnberg (Schedel), Basel (Brant). Die klassische mittelhochdt. Dichtung blieb vereinzelt (Parzival 1477), wohl aber wurden bes. in den süddt. Städten viele Volksbücher und volkstümliche religiöse Schriften (Heiligenlegenden u. ä.) gedruckt. Reich war auch in Italien, Frankreich und Deutschland die historische Literatur. Die medizinische Lit. wurde durch Italien bestimmt, in Deutschland blieb sie auf Werke für den Hausgebrauch (Kräuterbücher usw.) beschränkt.
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Jahrbuch, periodisch, i. d. R. jährlich erscheinende Publikation, die von Ges., privaten und staatlichen Institutionen hrsg. wird. Das Jahrbuch zählt zu den zeitschriftenartigen Reihen. Das Erscheinungsbild ist sehr differenziert. Ein Jahrbuch kann Mitteilungen der herausgebenden Ges. oder Institution, statistische Angaben (Statistische J.er), Aufsätze oder bibliographische Daten enthalten, Institutionen und Personen verzeichnen. (J. der Dt. Bibl.en) [...] Das erste Jahrbuch mit dieser Titelbezeichnung war das Historische Jahrbuch 1736-1740.
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Kelmscott Press, engl. Privatpresse in Hammersmith (London), eingerichtet und betrieben von William Morris von 1889 bis zu seinem Tode 1896, fortgeführt von Sidney C. Cockerell und F. S. Ellis bis 1898. Vorher hatte Morris mit Druckversuchen auf der Chiswick Press experimentiert, war aber mit den Resultaten nicht zufrieden. Inspiriert zu seinem Unternehmen war Morris durch einen Vortrag von Emery A. Walker vor der Arts and Crafts Exhibition Society im Jahre 1888. Die K. P. sollte Bücher drucken, die in ihrer Qualität den ital. Inkunabeln gleichkamen. Morris entwarf mit Walkers Unterstützung für die Presse zwei Druckschriften, die "Golden Type" nach dem Vorbild der von Nicolas Jenson geschaffenen Antiqua, sowie die "Chaucer Type" als gotische Schrift. Das handgeschöpfte Papier für die Presse stellte Joseph Batchelor, das Pergament H. Band her; die Druckfarbe wurde von der Firma Jänecke in Hannover bezogen. Die K. P. brachte mehr als 50 Bücher heraus, viele von ihnen mit Illustrationen von Edward Burne-Jones, und Randleisten, die Morris selbst entwarf. Der bedeutendste Druck war der "Chaucer" von 1896. Alle späteren Pressen, darunter auch manche kommerzielle, wurden von der K. P. beeinflusst. Sie war der Beginn für das "Private Press Movement"; ihr Vorbild wirkt noch heute weiter.
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Lithographie (griech.: = Stein, von Alois Senefelder 1798 erfundenes Prinzip der "chemischen Druckerei" für direkten Flachdruck mittels Lithostein oder Zinkplatte: Auf verschiedene Weise wird das Druckbild mit fetthaltigen Substanzen (z. B. Tusche, Kreide etc.) auf die Oberfläche des Lithosteins gebracht; die Substanzen dringen in die Poren ein, ihre Fettsäuremoleküle haften in der alkalischen Oberflächenschicht der Druckform, es entsteht fettsaurer Kalk, der fettanziehend und wasserabstoßend wirkt. Nur das Druckbild nimmt die fetthaltige Druckfarbe an. Die druckbildfreien Stellen werden zusätzlich gefeuchtet und stoßen die Druckfarbe ab. Das Druckverfahren ist der Steindruck. Die erste Gruppe bilden die direkten lithographischen Verfahren Federl., Kreisel, Steingravüre und Steinradierung, weil mit ihnen das Druckbild unmittelbar erzeugt wird. Von diesen gibt es noch zahlreiche Abwandlungen und untereinander auch Mischformen. Indirekte lithographische Verfahren sind unter den Begriffen lithographischer Umdruck zusammengefasst; mehrfarbige Drucke von mehreren Druckplatten bezeichnet man als Chromolithographie. Fast alle lithographischen Techniken waren bereits um 1820 in Gebrauch. Sie wurden sowohl für künstlerische als auch für kommerzielle Drucke eingesetzt. Kunstblätter nennt man L.n.,kommerzielle Drucke (z. B. Briefbogen, Bilderbogen, Verpackungen etc.) Steindrucke. Die L. ist ein Bilddruckverfahren; Musiknoten und Texte konnten nur durch Umdruck oder direktes Schreiben oder Zeichnen auf die Druckform gebracht werden. Bereits A. Senefelder experimentierte damit, die schweren, zerbrechlichen Lithosteine durch dünne Metallplatten zu ersetzen. Im 19. und frühen 20. Jh. war die L. in Verbindung mit Stein- und Offsetdruck künstlerische und kommerzielle Technik zugleich. Heute findet man sie nur noch in Künstlerateliers.
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| Miniaturbücher
(Kleinste Bücher) |
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Kleinste Bücher, auch Miniaturbücher, Bücher kleinsten Formats, Zwergbücher oder mikroskopische Bücher genannt, sind nach der heute vorherrschenden Meinung solche, die einschließlich Einband kleiner als 76,2 mm (3 inches) im Quadrat sind; andere rechnen auch noch Bücher bis 100 x 100 mm dazu. Miniaturbücher gibt es schon unter den ma. Hss.; das älteste gedr. derartige Buch ist wohl ein "Officium Beatae Virginis Mariae", das 1486 von Matthias Moravus in Neapel gedr. wurde und das 76 x 51 mm misst. Die Zahl der Miniaturbücher stieg im 15 Jh. rasch an. Das kleinste gedr. Buch für mehr als 200 Jahre blieb mit 12 x 8 mm das Gedicht "Bloem-Hofje" von C. van Lange, das Benedikt Smidt 1674 wahrscheinlich in Amsterdam druckte. Im Miniaturformat konnte Lit. fast aller Wissensgebiete erscheinen; Schwerpunkte bildeten sich bei religiöser Lit., Kinderbüchern, Almanachen (am längsten erschien der "London Almanack", von 1690 bis ins 20. Jh., meist im Format 57 x 32 mm), Erotika und den vielbändigen Reisebibl.en, wie der "Bibliothèque Portative du Voyageur", deren 49 Bde. 1802 in Paris erschienen (jeweils 92 x 68 mm) und die in einem tragbaren, mit Leder überzogenen Kasten wohlgeordnet untergebracht waren.
Miniaturbücher können in verschiedenen graphischen Techniken ill. sein. Bes. Kunstfertigkeit wurde oft auf die Einbände verwandt, die Vergoldung, Beschläge usw. [...]
Man bemühte sich, eine dem winzigen Format des Buches entsprechende Type zu gießen, d. h. "Mikroskopische Drucke" herzustellen: So schuf Jean Jannon 1615 in Sedan die "petite Sedanoise" und Henri Didot (1765-1852) eine nur 2.5 Punkt große Schrift, die 1827 erstmals im Druck verwandt wurde und ein ausgezeichnetes Schriftbild ergibt. Gleich winzig ist die Schrift "occhio di mosca" (Mückenauge), mit der die Brüder Salmin aus Padua 1867-1878 eine Dante-Ausg. druckten, die mit 52x34mm als "Dantino" berühmt wurde. Gegen Ende des 19. Jhs begann die Herstellung mikroskopischer Drucke durch photomechanische Verkleinerung. So ist z. B. "The smallest English dictionary in the world" entstanden, das Bryce in Glasgow 1893 oder 1894 im Format 27 x 19 mm herausbrachte; die auf 1.5 Punkt reduzierte Schrift kann nur mit einer Lupe gelesen werden, die in den oberen Deckel des Medaillon-Kästchens eingelassen ist, in dem das Wb. aufbewahrt wird.
Im 20 Jh. hat die Miniaturisierung vorher unvorstellbare Grade erreicht. [...]
Bes. Pflege erfreute sich das moderne Miniaturbuch u. a. in Ungarn, der DDR und der UdSSR, bis heute auch in den USA. Beweggründe, Miniaturbücher herzustellen und zu sammeln, sind neben der Freude an der technischen und künstlerischen Leistung (Typenguß, Satz, Druck, Ill. Einband) sowie dem Reiz des Zierlichen die Leichtigkeit, diese Drucke jederzeit mit sich zu führen, ja sie als Schmuck oder Talisman zu tragen, aber auch die Möglichkeit, sie rasch zu verbergen.
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Papier. Nach DIN 6730 (Papier und Pappe: Begriffe) ein "flächiger, im wesentlichen aus Fasern meist pflanzlicher Herkunft bestehender Werkstoff, der durch Entwässern einer Faserstoffaufschwemmung auf einem Sieb gebildet wird". Im Kontext des Informationswesens ist P. nach wie vor der wichtigste und weitest verbreitete Datenträger, nachdem es jahrhundertelang fast der einzige war. An der gesamten Produktion von P. haben die als Datenträger benutzten Sorten, d. h. die graphischen P.e., heute jedoch nur einen Anteil von ca. 40%; das Übrige sind Papiere für die Verpackung, für Hygiene und für technische Zwecke.
Die Fasern pflanzlicher Herkunft bestehen überwiegend aus Cellulose, daneben aus Stoffen, die in den Pflanzen mit Cellulose zus. vorkommen (z. B. Hemicellulosen, Lignin). Die anderen Inhaltsstoffe sind die Füllstoffe (Pulver meist mineralischer Herkunft), die Leimung (Polymere mit hydrophobierender Wirkung), Reste von Hilfsstoffen bei Herstellung und Verunreinigungen aus dem zur Herstellung in großen Mengen benötigten Wasser.
Das Entwässern geschah früher zur Manufakturzeit zuerst durch Schöpfen der Faserstoffaufschwemmung aus einem Bottich (Bütte, Büttenpapier) mit Hilfe eines Flachsiebes, auf das ein je nach angestrebter Stärke des P.s. verschieden hoher Rahmen aufgelegt wurde, dann durch Pressen zwischen Filzen und schließlich durch Trocknen an der Luft. Das Ergebnis waren einzelne Bögen in der Größe des verwendeten Siebes. Heute sind die drei Vorgänge (Ablaufen, Auspressen, Verdunsten) in Maschinen von z. T gewaltigem Ausmaß zu einem kontinuierlichen Produktionsprozess mit hohem Energieaufwand zum Saugen, Pressen und Heizen zusammengefasst; das Ergebnis ist eine endlose Bahn in der Breite der P.maschine bzw. ihres Endlossiebes. Die Stärke des Papiers wird in Form des Flächengewichts ausgedrückt, d. h. des Gewichts in g pro 1 m2. Von P. spricht man bei Gewichten bis zu 225 g/m2.[...]
Die sehr zahlreichen P.sorten können ihre Bezeichnung von der Herkunft (z. B. Japanpapier), von der Herstellung (z. B. Büttenpapier), der Zusammensetzung (z. B. Holzschliffpapier), vom Verwendungszweck (z. B. Kunstdruckpapier) und von anderen Eigentümlichkeiten beziehen. Die wenigsten Sortenbezeichnungen beinhalten präzise Aussagen; manche sind nicht mehr als in werbender Absicht geprägte Handelsnamen (z. B. Elefantenhaut). Die Produktion und der Verbrauch von P. steigt seit Jahren weltweit, in den Industrieländern z. Z. (1998) um jährlich 2-3%. Der Verbrauch pro Kopf und Jahr liegt dort über 200 kg, in den USA sogar über 300 kg; in vielen Entwicklungsländern liegt er unter 10 kg. Weltweit wächst immer noch mehr Faserrohstoff nach, als die Papierindustrie verbraucht. Der zunehmende Einsatz von Altpapier (z. Z. in Deutschland und in der Europäischen Union ca. 50%, weltweit ca. 35%) hat sogar zu einer Absatzkrise für Papierholz geführt, einer wichtigen Einkunft der hochentwickelten Forstwirtschaft, wo es eine solche gibt. (Papiergeschichte, Papierherstellung)
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Zur Anfertigung einer R. wird eine hochpolierte Metallplatte mit einer Schutzschicht überzogen, dem Ätzgrund. Er besteht aus einer Mischung von Wachs, Kolophonium, Mastix und Pech. In diesen Ätzgrund zeichnet man mit einer spitzen Nadel das Motiv, wobei die Radiernadel den Grund bis zum blanken Metall abhebt. Diese freigelegten Linien greift die Ätzflüssigkeit an. Die Rückseite der Platte wird vor dem Ätzen ebenfalls mit einer Schutzschicht versehen. Danach wird die Platte in das Ätzbad gelegt, das aus verdünnter Salpetersäure (alte Bezeichnung Scheidwasser) oder Eisenchlorid besteht. Die ersten Druckplatten waren Eisenplatten, später bevorzugte man Kupfer, in das man feinere Linien ätzen kann. Heute wird meist Zink genommen, das allerdings nur kleinere Aufl. erlaubt. Die Eisen- und auch die ersten Kupferplatten wurden nur einmalig geätzt. Daher erscheinen die Linien ziemlich gleichbreit im Abzug. Nach Einführung des Hartgrundes im 17.Jh. konnte mehrstufig geätzt werden. Durch stufenweises Abdecken der hellen und mittleren Partien mit Schutzlack und jeweiliges Weiterätzen erzielt man ein abwechslungsreiches Druckbild. Die dunkelsten Linien waren am längsten der Ätzflüssigkeit ausgesetzt. Hier wurden die Linien tief und breiter, sie fassen entsprechend mehr Druckfarbe. Partien, die weiß bleiben sollen, sind durch den verbliebenen Ätzgrund geschützt. Korrekturen sind nur begrenzt möglich; am besten erfolgen sie durch Wegpolieren, da durch Abschleifen einzelner Stellen die Plattenstärke verringert und ungleich würde, was schlechtere Abzüge ergibt. Nach Beendigung der Ätzung wird die Platte rundum mit einer Facette versehen, deren Schräge verhindert, daß das Druckpapier unter dem starken Druck der Presse zerschnitten wird. Im freien Plattenrand sind gelegentlich kleine Zeichnungen und Ätzproben eingeritzt, sog. remarques, die nach den ersten Probe- und Auflagendrucken durch Polieren entfernt werden. Erst nach Probedrucken wird eine Beschriftung in der Echoppetechnik (Echoppe) einradiert; sie hat stichartigen Charakter.
Die Radierplatten werden wie alle Tiefdrucke auf der Kupferdruckpresse gedruckt. Dazu wird die Platte mit Druckfarbe eintamponiert, überschüssige Farbe wird weggewischt, bis nur noch die Linien und Punkte damit geftillt sind. Der feine Farbhauch wird mit Mullappen oder dem Handballen entfernt. Sollen reinweiße Flächen stehenbleiben, kann mit etwas Schlämmkreide nachpoliert werden. Sind im Gegenteil leichte Tönungen mancher Flächen angestrebt, gibt der Drucker mit dem Farblappen einen Hauch Farbe, den sog. Lappenton, auf die zuvor blankgewischte Platte. Für jeden Abzug muß die Platte gesäubert und neu eingefärbt werden. Mehrfarbig eingefärbte Platten, wie etwa in der Punktiermanier, setzen hohes Geschick des Druckers voraus. Die Farbe muß lokal eingewischt und saubergewischt werden. Dieses Drucken wird <<à la="" poupée="">> genannt, d. h. das Eintragen der Farbe mit umwickelten Fingerspitzen. Auch hier muß jeder Druck von der frisch eingefärbten Platte erfolgen. Farbvarianten der Abzüge gibt es wegen des umständlichen Verfahrens oft. Für natur-wiss. Buchill. nutzte man den Einplattenfarbdruck, z. B. von J. C. Susemihl «Die Teutsche Ornithologie» (1800 - 1817).
Der Druck erfolgte auf schwach geleimtem, angefeuchtetem Hadernpapier. Mit der Einführung von Mischpapieren oder reinem Holzkarton im ig. Jh. verlor der Druck an Klarheit. Ein zwischen Platte und Stützkarton eingelegtes China- oder Japanpapier, das sog. «aufgewalzt China», gleicht diesen Mangel aus. Durch den Preßdruck haftet es fest an der Unterlage. Die Abzüge müssen drei bis fünf Tage unter Druck austrocknen.
Im Le Blon'schen Vierplatten-Schabmaniersystem weichen die Druckergebnisse weniger voneinander ab, doch ist die Herstellung der Platten aufwendig, so daß sich die Anfertigung der Schwarzplatte in Radiertechnik durchsetzte.
G e s c h i c h t e. Die Technik der R. entwickelte sich aus der Eisenätzung, die zu Beginn des 16. Jh.s in den Werkstätten der Plattner und Waffenschmiede zur Ornamentierung von Harnischen und Waffen angewendet wurde. Bereits um 1510 fertigte Daniel Hopfer mit seinen Söhnen Abdrücke von geätzten Eisenplatten an. Die älteste datierte R. - von Urs Graf - ist aus dem Jahre 1513; Albrecht Dürer schuf zwischen 1515 und 15 18 fünf R.en in der neuen Technik. Auch von Sebald Beham, Heinrich Aldegrever, Lucas van Leyden, Augustin Hirschvogel u. a. m. gibt es gelungene Versuche in dieser Technik. Wegen des weichen Ätzgrundes, den man zuerst benutzte, war nur eine einmalige Ätzung möglich: alle Linien erscheinen im Abdruck gleich breit. Gegen Ende des 16.Jh.s wurde die Ätzung in Deutschland nur noch von Ornamentstechern angewendet. In den Niederlanden radierte der Kupferstichverleger Hieronymus Cock ital. Veduten. Als sein Hauptwerk gilt eine Folge von röm. Ruinen. Der Kreis der Stecher um Peter Paul Rubens und Anton van Dyck benutzte die R. um die Mitte des 17. Jh.s fast ausschließlich zur Reproduktion von Gemälden. Innerhalb der großen Zahl niederl. Radierer stellt Rembrandts Werk in seiner Vielfalt und Vollkommenheit einen Höhepunkt dar. In Italien nahmen sich - gegen Ende des 16. Jh.s - einige Künstler, z. B. Guido Reni, der neuen Technik an. Im 17. Jh. diente sie dort, der leichteren Arbeit wegen, zur Herstellung größerer Tafelwerke. Nachdem die Möglichkeit, Kupfer zu ätzen, entdeckt wurde, vermutlich von Hanns Sebald Lautensack um 1550, und nachdem Jaques Callot den harten Ätzgrund aus Italien eingeführt hatte, ließ sich die R. abgestuft ätzen. In freien Arbeiten zeigten Callot und später Rembrandt die Ausdrucksvielfalt der R.; seit Rembrandt galt die R. als eigenständige Kunstgattung. Im Venedig des 18. Jh.s erlebte die ital. R. in Giovanni Battista Tiepolo, Antonio Canaletto und Giovanni Battista Piranesi eine Blütezeit. In Frankreich wendeten sich vor allem die Buchillustratoren der R. zu. Die Crayonmanier, eine R.s-Variante, ermöglichte die originalähnliche Reproduktion von Kreidezeichnungen. Auch in Deutschland wurde die R. als Technik für Buchill. genutzt. Einer der fruchtbarsten Radierer war Daniel Chodowiecki mit Arbeiten für Almanache und Bücher. Am Ende des 18.Jh.s schuf Francisco Goya in Spanien, das bisher keine namhaften Radierer aufzuweisen hatte, mit der Kombination von Linien- und Aquatinta-R. ein vorbildhaftes graphisches Werk, das viele Künstler angeregt hat. Zu Beginn des 19.Jh.s verdrängte zunächst die Lithographie die R., die aber in der Romantik wieder häufiger ausgeübt wurde. Die R. wurde zunächst in Frankreich, später dann auch in Deutschland wieder gepflegt. In der Schule von Barbizon und bei den Impressionisten nutzte man sie zur Landschaftsdarstellung, Charles Meryon schuf Städteansichten. In England radierten u. a. Francis Seymour Haden und William Turner. Es kommt die Bezeichnung «Maler-Radierer» auf, die auf die Abkehr von Reproduktionsaufgaben zu freier künstlerischer Arbeit hindeutet und mit der handschriftlichen Künstlersignatur bestätigt wird.

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Mit freundlicher Genehmigung des Verlages
Anton Hiersemann (http://www.hiersemann.de) übernommen
aus "Lexikon des gesamten Buchwesens2. Stuttgart 1985 ff.
Literaturangabe:
Lexikon des gesamten Buchwesens, hrsg. von Severin Corsten, Günther
Pflug und Friedrich Adolf Schmidt-Künsemüller, Stuttgart,
Anton Hiersemann Verlag, 1987.
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